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Sing Spitex

Die Singspitex von ProDemenz konzentriert sich auf die Handlung des gemeinsamen Singens und des Hörens von geliebten Musikstücken. Ob man nun selber singt oder einfach zuhört: Vertraute Lieder und Stücke haben eine belebende und wohltuende Wirkung und bringen schöne Erinnerungen hervor. 

Die meisten Menschen möchten gerne bis ans Lebensende oder sicher so lange wie möglich zuhause leben. Besteht ein Betreuungs- oder Pflegebedarf, kann man auf Organisationen wie die Spitex zurückgreifen, die ein Leben zuhause noch lange ermöglichen. Die Spitex deckt die Bereiche der Alltags- und Haushaltshilfe, der medizinischen oder der Körperpflege, der sozialen Betreuung und der psychiatrischen Begleitung ab. Dann gibt es natürlich das Angebot der Tagesstrukturen – Orte, wo Menschen mit einer Beeinträchtigung im Sinne einer Entlastung für sie selbst und ihre Angehörigen einen oder mehrere Tage pro Woche verbringen. 

Ein paar Jahre lang durfte ich als Spitex Mitarbeiterin tätig sein. Ich besuchte unzählige Klient/innen in ihrem Zuhause, unterstützte sie im Haushalt und bot ihnen soziale Betreuung. Wie oft wurde mir bewusst, dass ein ordentlicher Haushalt wichtig ist, aber der soziale Anteil meiner Arbeit fast immer wichtiger war. Bei gewissen Klient/innen war ich manchmal die einzige Person, die sie während der Woche besuchte. Viele Tassen Kaffee und viele Gespräche gab es während meinen Einsätzen, grosse Freude, wenn ich wieder «zu Besuch» kam. Diese Anstellung war mein Tor in die Gesundheitsbranche, worüber ich noch heute sehr dankbar bin. Ich lernte dort die Wichtigkeit der Spitex Arbeit kennen und schätzen. Danach arbeitete ich einige Jahre als Aktivierungstherapeutin in einem demenzspezialisierten Haus. Wie befähigend und wohltuend Aktivierung sein kann, beeindruckt mich immer wieder aufs Neue. Nicht-medizinische Angebote bekommen einen immer grösseren Stellenwert in der Gesundheitsbranche. Man hat verstanden, dass Tätigkeiten, die einer Person wohltun, einen grossen positiven Einfluss auf den Organismus eines Menschen haben. Das Schönste für mich bei der Aktivierung ist es, dass die Klient/innen das Angebot mitgestalten. Manchmal ist es ein spontan erzähltes Erlebnis, ein Fotobuch oder Bilder, eine Reiseerinnerung etc., die eine gemeinsame Stunde erst richtig bunt und schön machen. 

Bewohnende von Institutionen oder Gäste einer Tagesklinik oder eines Tageszentrums haben Zugang zu einem regelmässigen Aktivierungsangebot. Gerade Musik ist ein starkes Mittel, das zur Erhaltung physischer und psychischer Gesundheit massgeblich beiträgt.

Und für Menschen zuhause? Wie bekommen Personen, die immobil sind, Zugang zu einem kulturellen Angebot? Mir kam die Idee, eine Sing Spitex zu gründen. Menschen, die zuhause leben, sollen ebenfalls Zugang zu einem aktivierenden Angebot haben. Sie sollen die Möglichkeit bekommen, durch Musik und gemeinsames Singen eine wohltuende Stunde zu verbringen. Auch Bilder oder vertraute Gegenstände, Gespräche, Geschichten etc. tragen viel dazu bei, einer Person ein schönes Erlebnis zu bescheren.

Selbst wenn Personen mit einer Demenz wieder vergessen, dass man mit ihnen gesungen hat, bleibt ihnen ein wohliges Gefühl noch lange erhalten.

Dancing Queen – ein musikalischer Ausflug in die Hippie-Zeit

Am 10. Juni spielte ich ein Konzert in einem meiner Lieblingshäuser für Menschen mit einer Demenz: Der Sonnweid in Wetzikon. Das Thema war «Weisch no?» und mein Auftrag war, die Lieder aus der Zeit des Woodstock Festivals zu singen. Einen ersten Moment der Begeisterung erlebte ich, als ich die Aktivierungstherapeutinnen antraf: Alle in bunter, blumiger Hippiekluft, just like in the old times. Wie toll, dass sie die Möglichkeit des Kostümierens benutzten, um die Bewohnenden (und mich!) ins Thema des Nachmittages zu führen. Der zweite tolle Moment war, als man mir sagte, dass die Bewohnenden der Sonnweid kaum auf den Stühlen sitzen bleiben würden, da die Meisten sowieso tanzen würden. Gespannt stimmte ich das erste Lied an. Und tatsächlich: Kaum fing ich an zu spielen, kam Bewegung in die 80 Konzertbesucher/innen. Die Betreuenden und die Bewohnenden waren alle in Bewegung, tanzten, klatschten oder wippten sitzend in den Rollstühlen. Eine ganze Stunde lang. 

Ich singe in vielen Häusern und liebe jedes einzelne Konzert für und mit den jeweiligen Bewohnenden. Ich schätze das Gefühl der Gemeinschaft, das durch Musik generiert wird und bin immer wieder fasziniert davon, welche Regungen und Gefühle Musik in Menschen auslösen kann, ob sie nun ganz ruhig zuhören oder lebhafte Freude an den Liedern zeigen. Das Konzert in der Sonnweid hat mir äusserst eindrücklich gezeigt, wie viel Leben in betagten Menschen stecken kann. Ich war beeindruckt von der Fähigkeit der Bewohnenden, sich eine Stunde lang mit grossem Körpereinsatz zu bewegen. Es faszinierte mich, wie sie Freude erlebten, obwohl (oder gerade weil?) sie sich in einer grossen Menschenmenge befanden, wo der Lärmpegel ja relativ hoch ist. Ich war begeistert zu sehen, wie Betagte und Hochbetagte fähig sind, offen zu sein für Musik und Tanz, selbst wenn sie vielleicht die Lieder nicht kennen oder einige die fremde Sprache nicht verstehen. Wie schön ist die Arbeit für mich, wenn die hoch aufmerksamen Betreuenden wissen, wann das aktivierende Programm beendet werden soll und man wieder Ruhe in den Nachmittag bringen kann. So viele lächelnde Gesichter verliessen den Konzertsaal und ich fühlte mich noch bis am folgenden Tag beschwingt und dankbar.

Ich kann es gar nicht genug wiederholen: Musik ist ein Wunderwerkzeug mit fast unerschöpflichem Potenzial, Menschen zu befähigen und glücklich zu machen.

9 Tipps zum Singen mit Menschen mit Demenz

Die folgenden Tipps helfen dir, mit deinen Liebsten, die an Demenz erkrankt sind, zu singen – egal ob zu zweit oder in der Gruppe:

  1. Lass die Menschen wissen, dass du dich darauf freust, mit ihnen zu singen. Strahle diese Freude auch aus.
  2. Achte darauf, ob deine Liebsten Hilfe brauchen beim Suchen der Seiten im Liederbuch, oder eben gerade (noch) nicht. Das selbstständige Finden eines Liedes kann nämlich ein grosses Erfolgserlebnis sein.

  3. Passe das Singtempo dem Menschen mit einer Demenz an. Manchmal muss man ganz langsam singen, damit der Mensch mit einer Demenz die Möglichkeit hat, die Wörter zu finden und zu formen.

  4. Unterbreche das Lied kurz, um ein Umblättern bewusst anzukündigen. Singe erst dann weiter, wenn alle Singenden umgeblättert haben.  

  5. Gehe auf Wiederholungen im Lied ein, selbst wenn ihr einfach immer wieder das Gleiche singt.

  6. Gehe auf sich wiederholende Liederwünsche ein. Ist ja «wurscht», wenn ihr das Lied mehrere Male singt, Hauptsache, es macht glücklich.

  7. Ist Bewegung, zum Beispiel klatschen, Arme heben etc., zu gewissen Liedern möglich? Wenn ja: Super. So wird das Lied über einen Körpersinn mehr aufgenommen.

  8. Besingst du ein spezifisches Thema (Frühling, Reisen, Tiere, Farben etc.)? Dann zeige doch vor dem Singen ein Bild, oder bring eine Blume mit, die gut riecht. So sind viele Körpersinne auf das jeweilige Thema eingestellt.

  9. Bedanke dich am Schluss für das gemeinsame Singen. 🙂

 

Was tun, wenn die Erinnerungen hochkommen?

Der Tod ist das Ende eines Lebens, aber nicht einer Beziehung. Was nach dem Tod eines geliebten Menschen passiert, ist höchst individuell. Es gibt viele verschiedene Wege, wie man damit umgehen kann. Es gibt kein Richtig oder Falsch. Hier zeige ich ein paar mögliche Strategien auf, wie wir mit grossen Jahrestagen wie Geburts- und Todestagen unserer Liebsten umgehen können.

Wichtig: Dieser Artikel basiert auf meiner individuellen, persönlichen Erfahrung. Die Beziehungen zu unseren Mitmenschen sind genauso vielfältig, wie unser Umgang mit Trauer. Der Inhalt des folgenden Textes mag darum nicht auf deine Situation passen und ersetzt keine professionelle Hilfe.

Warum ich genau heute diese Zeilen schreibe? Genau heute vor zwei Jahren verstarb mit meinem Grossvater mein letzter Grosselternteil und ich sehe gerade wieder sehr intensiv, welche Strategien mir helfen, meine Stimmung an solchen Tagen aufzufangen. Hier also meine Auswahl – und ich hoffe, du findest etwas darunter, das auch dir hilft.

Zeit mit anderen verbringen

Gestern hab ich sie schon gespürt, diese Schwere im Herzen. Ich habe immer wieder gedacht «Heute vor zwei Jahren habe ich das letzte Mal einen Grosselternteil von mir lebend gesehen.» und immer wieder tauchten Bilder in meinem Kopf auf vom letzten Tag, vom Todestag, von der Beerdigung und unseren letzten Gesprächen. Am Nachmittag war ich für einen Event angemeldet. Das war ein Zufall. Ich hatte mich nicht angemeldet, weil ich «wusste», dass ich an dem Tag Ablenkung brauchen würde, denn das hätte ich ehrlich gesagt nicht erwartet. Mir wurde aber bewusst, wie es einen tragen kann, wenn man etwas tut, das einem Spass macht und Leute um sich herum hat, die ähnlich ticken. Man muss sie nicht mal besonders gut kennen. Wir dürfen auch mal unsere Schutzmauer oben lassen. Ablenkung ist natürlich nie die ultimative Lösung. Wie so oft kommt es auf das Mass an. Also mach ohne schlechtes Gewissen auch mal etwas, das dich auf andere Gedanken bringt.

Zeit mit deinen vorangegangen Liebsten verbringen

Genau so, wie es in Ordnung ist, für Ablenkung zu sorgen, ist es auch in Ordnung, in Erinnerungen zu schwelgen. Für mich persönlich ist es wichtig, Wege zu finden, um doch nochmals irgendwie Zeit mit meinen vorangegangenen Liebsten zu verbringen. Hier einige Ideen für solche Rituale:

Lieblingsessen

Heute werd ich Schnitzel Pommes Frites essen und eine Creme-Schnitte zum Dessert. Das war das Lieblingsessen meines Grossvaters und ich hatte es noch so oft für ihn gekocht in seinen letzten Jahren. Ich tue das, obwohl ich sonst sehr selten Fleisch und keine Milchprodukte esse, aber ich tue es für ihn, weil er das nun nicht mehr kann.

Was war das Lieblingsessen deiner Liebsten, die schon vorausgegangen sind? Vielleicht kannst auch du etwas für sie essen, dass sie selbst nun nicht mehr essen können.

Bewusster Gedenk-Moment

Einen bewussten kleinen Moment nehmen, und die Gedanken an den lieben Menschen zulassen – das tue ich gerne, weil ich mir dann Zeit genommen habe, gerade wenn der Tag so voll ist, dass eigentlich kaum Raum ist für anderes als die Arbeit. Das kann bei einem kurzen Spaziergang sein, einer Tasse Tee, einer kurzen Pause mit Blick aus dem Fenster, etc.

Schreiben

Schreib deine Gedanken einfach mal auf. Grammatik, Rechtschreibung und Struktur sind völlig egal. So wie ich es gerade mache in diesem Blogartikel. Du musst das niemandem zeigen. Du kannst deinen Text auch gleich wieder vernichten, wenn du möchtest. Schreibe deine Gedanken auch gerne mit Stift auf Papier. So gibt dir diese Übung viel mehr Raum zur Verarbeitung deiner Gedanken als wenn du es auf einer Tastatur tippst. Kannst du aber auch, ist auch nicht falsch. Schreib einfach, was dir in den Sinn kommt. Oder schmücke eine Geschichte aus. Denke an ein Erlebnis und schreibe es genau so auf, wie du es erlebt hast, was du dabei gefühlt hast, was du gut fandest, was du heute anders machen würdest. Oder schreib einen Brief.

Grab besuchen

Das hilft vielen Menschen. Ich persönlich mache das, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Wenn ich im Dorf bin, wo meine Grosseltern begraben liegen, gehe ich immer rasch hin, sage hallo und zünde in der Kirche eine Kerze für sie an. Persönlich bin ich ansonsten keine Kirchengängerin und würde mich auch sonst nicht unbedingt als religiös bezeichnen. Meine Grossmutter war jedoch sehr gläubig und wenn ich in der Kirche eine Kerze anzünde, dann tue ich das immer, weil sie das auch getan hätte und ich denke, dass sie wohl Freude dran hätte.

Musik hören

Musik findet immer einen besonderen Weg in unsere Seelen. Vielleicht verbindest du eine besondere Erinnerung an deinen geliebten Menschen mit einem Lied? Mein Grossvater liebte Musik. Heute werd ich vielleicht das «Munotglöggli» anhören, weil ich damit einige ganz spezielle Erinnerungen an und um meinen Grossvater verbinde. Ich werde zum Beispiel nie den Moment vergessen, als Tabea mit ihm nach der Beerdigung meiner Grossmutter dieses Lied gesungen hatte. Wenn ich meine Grossmutter vermisse, höre ich mir oft «The Gambler» an, obwohl sie das Lied wohl gar nie bewusst gehört hatte. Aber die Geschichte erinnert mich einfach immer an meine Grossmutter und wie für sie das Mogeln einfach zum Kartenspielen dazugehörte. Was übrigens der Grund ist für die fünf Asse und den «Härpfil» im Foto zu diesem Artikel.

Am Ende ist es zweitrangig, wie du mit deiner Trauer umgehst und solche Tage über die Bühne bringst. Das ist, wie gesagt, sehr individuell. Es gibt auch Personen, die solche Gefühle nie erleben – und das ist auch total in Ordnung. Wichtig ist, dass wir uns gegenseitig keine Vorwürfe machen und dass wir uns selbst nie dabei vergessen. Wir dürfen uns auch einfach selbst etwas Gutes tun. Abschiede gehören zum Leben dazu. Sie können extrem schmerzhaft sein, einige sind kaum zu verstehen, viele sind viel zu früh, aber am Ende sind sie etwas, das das Leben für uns bereithalten kann. Drum lass uns einen Umgang damit finden.

Hast du auch Strategien, die dir helfen? Schreib sie mir gerne, ich würde mich freuen, von dir zu hören.

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Humor hilft und befreit

In einer schwierigen Situation ist man oft gefangen in kreisenden Gedanken, der Tunnelblick stellt sich ein, man verliert die Hoffnung und sieht keine Perspektive. Auch im Alltagshamsterrad fehlt es uns oft an Leichtigkeit und einer gesunden Distanz zu gewissen Themen.

Humor schafft diese nötige Distanz gegenüber Überforderungen, unseren Mitmenschen und uns selbst. Er ermöglicht einen Fokus- und einen Perspektivenwechsel. Wir realisieren zum Beispiel, dass wir nicht alleine sind, dass nicht die ganze Last einer schwierigen Zeit auf unseren Schultern liegt oder nicht unbedingt die ganze Schuld einer Situation uns anhaftet. Wir erkennen, dass wir fähig sind, trotz allen Schwierigkeiten Freude zu empfinden oder zu schenken. Humor befähigt uns, Heiterkeit und Leichtigkeit in die Schwere zu bringen. Ganz wertvoll ist, dass Humor uns die Möglichkeit gibt, Situationen und Gefühle zu relativieren. Kurz: Humor ist gesund.

Wir haben vielleicht gelernt, dass ‚man‘ nicht über gewisse Themen lachen soll. Vielleicht denken wir, dass Humor dasselbe ist wie Auslachen oder Jemanden oder etwas klein zu machen, indem wir darüber lachen. Weit gefehlt. Humor ist nicht einfach die Fähigkeit, Witze zu reissen oder laut zu lachen. Humor ist eine Lebenseinstellung, die es uns erlaubt, trotz allem, das schwer und schwierig ist, zufrieden zu sein. 

Humor kann überlebenswichtig sein. Durch die Fähigkeit, uns selbst und gewisse Situationen nicht immer allzu ernst zu nehmen, werden wir freier im Umgang mit uns selbst, mit anderen Menschen und in Krisen. Dadurch überstehen wir Situationen, die ansonsten unüberwindbar erscheinen.

Humor vermag es, ungleiche Machtverhältnisse auszubalancieren. Er schenkt uns eine Durchlässigkeit, die dem Gegenüber die Lust nimmt, gemein zu sein. Humor ist also ein starker Schutzschild.

Und eine andere gute Nachricht ist: Humor ist lernbar. Nicht nur der Clown darf den Mut haben, Sarkasmus, Skurrilität und Humor im Alltag anzuwenden. Humor gibt uns eine Freiheit, auf die wir alle das Recht haben und die wir verdienen. 

Ich schliesse gerne mit den Worten Erich Kästners: “Humor ist der Regenschirm der Weisen.”